Preußischer Strafvollzug 1883-1923
Im Auftrag des preußischen Innenministers Robert von Puttkammer wurde im Jahre 1878 in Berlin ein Plan für eine neue Strafanstalt in Herford mit einer Kapazität von ca. 450 Haftplätzen entworfen, nachdem am 23. Juni 1873 das bisherige Zuchthaus am Wilhelmsplatz in Herford niedergebrannt war. Der Brand war von einem Häftling gelegt worden.Im Juni 1877 hatte der preußische Staat ein Grundstück an der Eimterstraße in Herford erworben, um dort die "Königliche Gefangenen-Anstalt" errichten zu lassen. Die Bauarbeiten begannen im Oktober 1879 mit dem Bau des Torgebäudes. Das feierliche Richtfest für das Hauptgebäude fand am 30. Oktober 1880 statt. Mit der Verlegung von 50 Gefangenen aus dem damaligen Zentralgefängnis Hamm am 08. September 1883 trafen die ersten Gefangenen bereits vor der offiziellen Einweihung der "Königlichen Strafanstalt-Herford" ein. Die offizielle Einweihung der Anstalt erfolgte am 17. September 1883. Bis zum 06.Oktober 1883 wurden dann weitere 392 Gefangene von Hamm nach Herford verlegt.

Der humane Strafvollzug 1923-1933
Im Jahre 1923 treten die "Grundsätze für den Vollzug von Freiheitsstrafen" in Kraft. Diese Vereinbarung zwischen den Ländern des damaligen Deutschen Reichs sind der Anfang einer umfassenden Strafrechtsreform in der Weimarer Republik. Ein Grundgedanke dieser Reformen war das Prinzip "Erziehung durch Arbeit". Im Juni 1929 erlässt Preußen eine "Verordnung über den Strafvollzug in Stufen" mit den Hauptprinzipien "Differenzierung" und "Resozialisierung". Neben der organisatorischen Neustrukturierung des Strafvollzugs legt die Verordnung auch fest, wie der Vollzug in den jeweiligen Stufen ausgestaltet werden soll. Konkrete Auswirkungen der "Grundsätze für den Vollzug von Freiheitsstrafen" zeigten sich damals auch in der JVA Herford durch verschiedenartige Hafterleichterungen. So entfiel beispielsweise das System der Kästen in Anstaltskirche und Schule, in denen die Häftlinge ohne Kontakt zum Nachbarn den Gottesdienst bzw. Unterricht absolvierten. Weitere Hafterleichterungen zeigten sich in einem erweiterten Angebot an Turn- und Sportspielen, sowie einer reichhaltigeren Gefangenenkost. 

Strafvollzug in der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten übernehmen diese die Hoheit über die Rechtspflege. Der Charakter des Strafvollzugs verändert sich im Dritten Reich grundlegend. Mehre Verordnungen schränken die Hafterleichterungen für Strafgefangene massiv ein. So wurde das Tabakrauchen untersagt und der Empfang von Geburtstagspaketen verboten. Die JVA Herford wurde unter den Nationalsozialisten vom Zellengefängnis zum Zuchthaus. "Erziehung durch Strafe" ist einer der vollzuglichen Leitsätze dieser, durch eine erhöhte Selbstmordrate geprägten Zeit.

Der moderne Strafvollzug 1945 bis heute
Nach dem repressiven Strafvollzuig in der NS-Zeit steht nun wieder eine humane Behandlung der Gefangenen im Vordergrund. So werden die Strafanstalten aufgefordert, einer ausreichenden ärztlichen Versorgung der Häftlinge größte Aufmerksamkeit zu widmen und die seelsorgerische Betreuung auszubauen. Mit der Untersuchungshaftvollzugsordnung und dem Jugendgerichtsgesetz erhält die Justiz NRW im Mai 1953 zwei neue Grundlagen. Durch diese neuen Gestzesgrundlagen werden die Erziehung, sowie die schulische und berufliche Ausbildung von Jugendstrafgefangenen in den Vordergrund gestellt.
Die JVA Herford wurde im Zeitraum von 1998 bis 2006 nach aktuellen bautechnischen und ökologischen Standards grundlegend saniert, um den Anforderungen des modernen Jugendstrafvollzugs auch baulich gerecht zu werden.

 

Quelle: Chronik der JVA Herford